Jolie: Aluminiumsalze in Deos sind in Verruf gekommen. Wie schätzen Sie die Gefahr dadurch an Krebs zu erkranken etc. ein?
Dr. Buck: Die bisher durchgeführten epidemiologischen Studien zeigen weder Hinweise auf die Auslösung von Brustkrebs noch auf die Auslösung von Alzheimer durch Aluminium in Deos oder in der Nahrung. Allenfalls Hochrisikopatienten für Brustkrebs (positiver Gentest) sollten einen Verzicht auf Aluminium in Erwägung ziehen. Denn wenn sich in epidemiologischen Studien keine Zusammenhänge zeigen, kann das daran liegen, dass eine zu kleine Gruppe Menschen die genetischen Voraussetzungen für den gesuchten Effekt zeigt.

Was genau ist der Nutzen von Aluminiumsalzen in Deodorants?
Aluminiumsalze sind die einzige Substanzen, die in der Lage sind die Schweißdrüsen-Ausführungsgänge durch Denaturierung von Eiweißen effektiv zu verstopfen (der Schweiß wird dann von der Drüse wieder resorbiert). Für die Wirkung muss Aluminium nicht in die Haut eindringen, tut es aber in sehr kleinen Mengen trotzdem. Bei all der aktuellen Hysterie ist es kaum zu glauben, dass sich bisher kein Verdacht auf eine schädigende Wirkung (Brustkrebs, Alzheimer) epidemiologisch erhärten lies.

Und wie können Sie dem Menschen schaden?
Es sind lediglich hautreizende Eigenschaften bekannt, die besonders bei frisch rasierten Achseln auftreten.

Wie sehen das aktuelle Studien?
Aluminium schwirrt schon lange als Verdächtiger durch das Internet und die Medien. In letzter Zeit hat sich Aluminium wieder nach vorne gedrängt, weil ein tendenziöser Bericht auf Arte das Thema 2013 wieder aufgewärmt hat. Die Wissenschaft hatte das Thema eigentlich bereits vor über 10 Jahren ad acta gelegt. Die letzten epidemiologischen Studien aus den Jahren 2002 und 2006 zum Thema Brustkrebs konnten keinen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Deo und Brustkrebs zeigen. Eine neue in-vitro-Studie aus dem letzten Jahr konnte allerdings in Zellkulturen tumorfördernde Eigenschaften von Aluminium zeigen. Aber viele in-vitro-Studien haben in der Vergangenheit schon Effekte gezeigt, die im Menschen nicht mehr nachweisbar waren. Das gilt für potentielle Gifte ebenso wie für viele Medikamente. In der Petrischale können Wissenschaftler heute praktisch jede Krankheit heilen. Nur ist der Mensch keine Zellkultur, sondern ein komplexer Organismus.

Nehmen wir an eine Person benützt kein Deo. Würde sich der Geruch von selber regulieren?
Der Geruch entsteht durch Bakterien, die den Schweiß zersetzen. Für den Organismus sind diese Bakterien unschädlich und daher hat die Evolution keine natürliche Abwehr gegenüber diesen Bakterien hervorgebracht. Ohne antimikrobielle Substanzen oder einer Reduktion der Schweißmenge bleibt der Geruch bestehen. Er wird sogar zunehmen, da die Bakterien in Textilien auch einen herkömmlichen Waschmaschinengang überstehen

Gibt es natürliche Alternativen die wirklich gegen Schweiß helfen?
Nein. Gegen das Schwitzen und insbesondere das vermehrte Schwitzen hilft leider keiner der alternativ angebotenen Wirkstoffe (Gerbstoffe) spürbar, allerdings lässt sich der Geruch mit Silber-Deos relativ effektiv bekämpfen. Nur steht leider auch Silber unter Verdacht, schädlich für den Menschen zu sein. Die einzige wirklich wirksame Alternative ist das aus der natürlichen Bakterien gewonnene Botulinum (Botox®), welches in die Haut injiziert die Synapsen zwischen Nerv und Schweißdrüse zerstört und darüber das Schwitzen für 6-10 Monate nahezu vollständig abstellen kann.